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4. Verteilungsmuster innerhalb des Waldes im Winter


4.1 Unterschiede zwischen Tag und Nacht und im Laufe des Winters

In der Nacht wurden auf der gesamten in Abbildung 2 gezeigten Beobachtungsfläche von ca. 2 km2 im Durchschnitt 68.3 Rehe pro Durchgang gesehen. Im Vergleich dazu wurden am Tag jeweils nur rund 3 Rehe beobachtet (Abbildung 5). Dieser Unterschied veranschaulicht eine deutliche Ausweichreaktion der Rehe am Tag weg von den grösseren Wegen. Trotz der kleinen Stichprobe am Tag zeigt sich eine Tendenz, dass Rehgruppen am Tag in steileren Lagen beobachtet wurden (MWU, n1=116, n2=7, z=-1.74, p=0.08). Dagegen lässt sich kein Unterschied in der Höhenverteilung nachweisen (MWU, n1=116, n2=7, z=-0.699, p=0.48).


Abbildung 5
: Anzahl beobachtete Rehe der einzelnen Beobachtungsaufnahmen im Wald zwischen Januar und März 1994. Nacht: Tour 1:15.1.-1.2.94; Tour 2: 8.2.-11.2.94; Tour 3: 15.2.-5.3.94; Tag: Tour 1: 7.2.94, Tour 2: 22-23.2.94, Tour 3: 18.3.94.

Um zu prüfen, ob zwischen den drei Beobachtungsaufnahmen in der Nacht Unterschiede auftraten, wurden die Parameter in Tabelle 4 mittels H-Tests auf Unterschiede in ihrer zentralen Tendenz geprüft. Dabei zeigten sich weder bei der Höhenverteilung, den Distanzen zu den Futterkrippen und Gewässern signifikante Unterschiede.

ParameterChi2 p
Höhe1.36 0.51
Distanz zur Futterkrippe 0.200.90
Distanz zu Gewässern 0.460.79
Hangneigung5.05 0.08
Gruppengrösse 5.390.07
Tabelle 4: Ergebnisse der H-Tests auf Unterschiede zwischen den drei Beobachtungsaufnahmen bezüglich der angegebenen Parameter (n1=37, n2=32, n3=46, FG=2).

Bei der Hangneigung zeigte sich eine Tendenz zu steileren Gebieten im Übergang von der ersten (Durchschnitt 9.3) zur zweiten Aufnahme (Durchschnitt 12.0). Ebenfalls nur als Tendenz erwies sich eine Abnahme der Gruppengrösse. Die durchschnittliche Anzahl Rehe pro Gruppe sank von 2.0 in der ersten auf 1.5 Tiere in der dritten Aufnahme, was darauf zurückzuführen ist, dass vermehrt Einzeltiere und weniger Zweiergruppen zu beobachten waren (Abbildung 6).

Abbildung 6: Gruppengrösse der Rehgruppen im Wald im Januar - März 1994.

4.2 Analyse des Verteilungsmusters in der Nacht

Die Anzahl Rehe, die auf den Tagestouren gesehen wurden, ist zu gering, um eine vernünftige Analyse der Einflussfaktoren durchzuführen. Deshalb beschränke ich mich im folgenden auf die Nachtbeobachtungen. Dies auch in der Annahme, dass die Verteilung der Rehe in der Nacht sehr viel weniger durch die menschlichen Aktivitäten beeinflusst wird. Die Beobachtungsorte der Rehe während der Nacht sind in Abbildung 7 dargestellt. Sie sind nicht gleichmässig über das ganze Gebiet verteilt, sondern bilden grob drei Zentren in den Gebieten (1) Schönenboden, (2) Biri-, Schröter- und Häuliboden und (3) Cholbenholz (vgl. Abbildung 2). Zum anderen fällt eine grosse Lücke ohne Rehbeobachtungen auf, die ungefähr durch das Dreieck Spinnerweg-Waldmattstrasse/Weierbrunnenstrasse-Albishornstrasse eingefasst wird. Im folgenden gehe ich auf einzelne Faktoren ein, die die Verteilung beeinflussen könnten, und danach auf die multivariaten Verfahren für die Extrapolation der Verteilung auf den gesamten Sihlwald.

A: Chi2-Anpassungstests mit simultanen Konfidenzintervallen (Bonferoni z-Statistik)

Die Ergebnisse der Chi2-Anpassungstests für die einzelnen Parameter sind in Tabelle 5 zusammengestellt. Die Verteilung der Rehgruppen bezüglich Hangneigung unterscheidet sich signifikant vom Angebot. Die Hangneigungsklassen über 20, die rund 24% der Beobachtungsfläche ausmachen, weisen signifikant weniger Beobachtungen als erwartet auf. Bei der Höhenverteilung, die sich ebenfalls signifikant vom Angebot unterscheidet, weist die höchstgelegene Klasse der Beobachtungsfläche von 750-830m signifikant weniger Rehgruppen auf. Die Klasse 630-670m weist signifikant mehr Rehgruppen auf, was vermutlich mit den auf der gleichen Höhe plazierten Fütterungsstellen im Zusammenhang steht. Im Nahbereich dieser Futterkrippen (100m Radius) halten sich signifikant mehr Rehgruppen auf. Die zusätzlich in diesen Gebieten sich aufhaltenden Tiere betreffen etwa 12.7% aller beobachteten Rehgruppen. Ab Distanzen über 100m entfernt von den Futterkrippen liessen sich keine Unterschiede im Vergleich zu einer gleichmässigen Verteilung nachweisen.

Parametern FGChi2 p
Hangneigung115 629.9 <0.001
Höhe115 724.7 <0.001
Distanz Futterkrippe 1156 64.3<0.001
Entwicklungsstadium 1155 14.00.015
Anzahl Waldschichten 1152 0.960.62
Hauptbaumart Oberschicht 1153 13.00.005
Hauptbaumart Mittelschicht 1153 6.00.11
Hauptbaumart Unterschicht 1153 1.60.67
Anteil Nadelbäume Oberschicht 1154 13.20.01
Anteil Nadelbäume Mittelschicht 1153 4.40.23
Anteil Nadelbäume Unterschicht 1153 3.20.36
Artenzahl Oberschicht 1154 9.80.04
Artenzahl Mittelschicht 1154 8.90.06
Artenzahl Unterschicht 1155 13.40.02
Dichte Oberschicht 1155 8.80.12
Dichte Mittelschicht 1124 6.50.16
Dichte Unterschicht 1154 19.1<0.001
Pflanzensoziologische Einheit 1159 63.3<0.001
Tabelle 5: Vergleich der Verteilung der Rehe im Wald mit dem Angebot. Ergebnisse der Chi2-Tests.

Ein Unterschied zeigt sich auch in der Verteilung bezüglich Entwicklungsstadium (Alter) des Waldbestandes. Interessanterweise wurden in den ältesten Beständen (Stadien 6 und 7) weniger Rehgruppen als erwartet beobachtet. In den anderen Stadien zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zum Angebot. Zwei im Sihlwald eng zusammenhängende Waldparameter sind Hauptbaumart und der Anteil Nadelbäume in der Oberschicht, weil Buche und Fichte zusammen flächenmässig rund 92% der Hauptbaumarten ausmachen. Bei der Hauptbaumart weisen Bestände mit Buche signifikant weniger, solche mit Fichte als Hauptbaumart signifikant mehr Rehgruppen als zu erwarten auf. Dem entsprechend sind signifikant weniger Rehgruppen in Beständen mit einem Anteil an Nadelbäumen von 0-10% beobachtet worden. Ebenfalls einen Unterschied zwischen Rehgruppenverteilung und Angebot gibt es bezüglich der Unterschichtdichte. Bestände mit 40-50% Dichte weisen signifikant mehr, solche mit 60-70% signifikant weniger Gruppen auf. Diese entgegengesetzte Reaktion zwischen benachbarten Dichteklassen muss vermutlich als Hinweis auf eine Überlagerung mit anderen Faktoren gedeutet werden. Ebenfalls in diesem Sinn ist vermutlich der signifikante Unterschied zwischen der Verteilung Rehgruppen und dem Angebot bezüglich der Anzahl Arten in der Unterschicht zu betrachten. In Gebieten mit nur einer Baumart in der Unterschicht waren signifikant mehr, in Gebieten mit drei Baumarten signifikant weniger Rehgruppen zu beobachten. Die anderen untersuchten Waldbestandesparameter zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen Rehgruppenverteilung und flächenmässigem Angebot. Beim Vergleich der Rehgruppenverteilung bezüglich der potentiellen pflanzensoziologischen Gesellschaft zeigte sich, dass in Gebieten mit zu erwartendem Waldmeister-Buchenwald signifikant mehr, in solchen mit Aronstab-Buchenwald signifikant weniger Rehgruppen anzutreffen waren.

Bei den hier verwendeten Bestandeserhebungen 1990 waren die Förster aufgefordert, die einzelnen Bestände danach zu beurteilen, ob diese als Reservatszonen ausgeschieden werden sollen. Interessanterweise ergab sich bei der Analyse, dass in den Gebieten, die als 'für eine Reservatszone geeignet' bezeichnet wurden, signifikant weniger Rehgruppen als erwartet beobachtet wurden (Chi2-Test, 2=11.1, n=109, FG=1, p<0.001).

B: Logistische Regression

Im Hinblick auf eine anschliessende Extrapolation auf den gesamten Sihlwald wurde als erstes Verfahren eine schrittweise logistische Regression (SLR) gerechnet. Das berechnete Modell ist hochsignifikant (Chi2=311.8, FG=48, p<0.0001) und erreicht eine überraschend hohe Zuordnungsgenauigkeit von fast 96%. Ins Modell wurden 9 Variablen aufgenommen (Tabelle 6), wovon die Höhenverteilung, Distanz zur Futterkrippe, Dichte der Unterschicht und Anteil Nadelbäume in der Oberschicht mit den Resultaten des vorhergehenden Kapitels übereinstimmen. Im Unterschied zu den vorangegangenen univariaten Vergleichen wurden zusätzlich folgende Variablen als signifikant miteinbezogen:

Von den in den univariaten Vergleichen signifikanten Variablen wurden jedoch die Hangneigung, Anzahl Baumarten in der Unterschicht und die potentielle Waldgesellschaft nicht ins Modell aufgenommen.

Variable Variable B S.E. Wald df p R Exp(B) Sig +/-
Dichte Oberschicht 7.2256 30.065 0.0597
20-40% 20.1138 73.9840.0739 10.7857 05.44E+08
40-60% 8.872 3.41186.7619 10.0093 0.11777129.81 -
60-80% -1.4097 1.52770.8515 10.3561 00.2442
Dichte Unterschicht 13.5192 40.009 0.1267
0-20%  0.3016 3.53110.0073 10.9319 01.352
20-40% 2.0667 2.41750.7308 10.3926 07.8985
40-60% -9.1025 2.761110.8684 10.001 -0.16060.0001 +
60-80% 3.2286 2.60841.5321 10.2158 025.2431
Anzahl Waldschichten 9.4015 20.0091 0.1253
-13.3414 4.99057.1468 10.0075 -0.12230 +
0.8388 1.98340.1788 10.6724 02.3135
Distanz zur Futterkrippe 0.0154 0.004114.0729 10.0002 0.18731.0155 -
Distanz zum Gewässer -0.0759 0.019814.7045 10.0001 -0.19220.9269 +
Hauptbaumart Unterschicht 11.5847 30.009 0.1274
 Ahorn -15.94656.897 5.34581 0.0208-0.0986 0+
 Rotbuche -17.08295.79 8.7051 0.0032-0.1396 0+
 Esche -11.68765.1715 5.10761 0.0238-0.095 0+
Hauptbaumart Mittelschicht 10.9339 40.0273 0.0923
Rotbuche 13.6307 164.29670.0069 10.9339 0831289.2
4.3883 164.3140.0007 10.9787 080.4997
Tanne 13.2977 164.30720.0065 10.9355 0595812.8
Fichte 17.4016 164.29670.0112 10.9156 036094461
%Nadelbäume Oberschicht 16.1065 40.0029 0.1535
0-20% -4.3491 2.37123.3639 10.0666 -0.0630.0129
20-40% -16.3709 4.636412.4677 10.0004 -0.17440 +
40-60% -21.045 5.904712.703 10.0004 -0.17640 +
60-80% -7.0083 3.78213.4338 10.0639 -0.06460.0009
Höhe über Meer 14.8944 70.0374 0.051
470-510m 10.6922 5.13274.3396 10.0372 0.082544009.15 -
510-550m 10.5611 4.88714.6699 10.0307 0.088138605.12 -
550-590m -6.9237 3.05745.1284 10.0235 -0.09540.001 +
590-630m -5.3881 3.02623.1701 10.075 -0.05830.0046
630-670m -9.7484 4.89713.9627 10.0465 -0.07550.0001 +
670-710m -1.1669 2.90330.1616 10.6877 00.3113
710-750m -6.825 3.01835.113 10.0237 -0.09510.0011 +
Konstante 12.8306164.5504 0.00611 0.9378
Tabelle 6: Die 9 bei der schrittweisen logistischen Regression im Modell aufgenommenen Variablen. Die Reihenfolge in der Tabelle entspricht nicht derjenigen, in welcher die Variablen in das Modell aufgenommen wurden. Negative B-Werte bedeuten einen positiven Effekt auf das Rehvorkommen, positive einen negativen Effekt. B = Koeffizient, S.E. = Standardfehler, df = Freiheitsgrade, R = partieller Korrelationskoeffizient, Sig.+/- = signifikant positiver (+) bzw. negativer Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit von Rehvorkommen.

Die Variablen bzw. Klassen aus den Variablen, die sich signifikant negativ auf die Wahrscheinlichkeit des Rehvorkommens auswirken, sind eine grosse Distanz zur Futterkrippe, Dichte der Oberschicht = 40-60% und tief liegende Gebiete: 470-510m, 510-550m. Als signifikant positiv gewertet wurden: grosse Distanz zu Gewässern, Dichte der Unterschicht = 40-60%, Anteil Nadelbäume in der Oberschicht = 20-40% und 40-60%, Hauptbaumarten in der Unterschicht Ahorn, Buche und Esche, nur eine einzige Waldschicht vorkommend (d.h. nur Oberschicht) und die Höhenklassen 550-590m, 630-670m, 710-750m.

C: Schrittweise multiple (lineare) Regression

Als zweites Verfahren wurde eine multiple lineare Regression (MR) mit Dummyvariablen gerechnet. Dieses Modell ist ebenfalls hochsignifikant (Tabelle 7) und erklärt rund 77% der Variation.

df Sum of Squares Mean SquareF p
Regression66 0.166397180.00252117 28.210.0001
Error554 0.049506930.00008936
Total620 0.21590411
Tabelle 7: Übersicht über das Ergebnis der multiplen linearen Regression.

Das Modell enthält mit 23 bedeutend mehr Variablen als die logistische Regression (Tabelle 8).

Variable Koeffizient Error Sum of Squares F p Sig. +/-
Konstante 0.052809 0.0026746 0.03484 389.85 0.0001
Distanz zum Gewässer 0.000021 0.0000091 0.00046 5.18 0.0232 +
Distanz zur Futterkrippe -0.000036 0.0000031 0.01210 135.36 0.0001 -
Hangneigung12-16 -0.002370 0.0010651 0.00044 4.95 0.0265 -
16-20 -0.003193 0.0013204 0.00052 5.85 0.0159 -
20-24 -0.004585 0.0017475 0.00062 6.89 0.0089 -
>24 -0.002806 0.0014655 0.00033 3.67 0.0560
Höhe über Meer 510-550m0.006381 0.0017956 0.00113 12.63 0.0004 +
550-590m 0.002486 0.0014799 0.00025 2.82 0.0935
630-670m 0.003598 0.0012708 0.00072 8.02 0.0048 +
750-790m -0.006494 0.0018063 0.00115 12.92 0.0004 -
Dichte Unterschicht 20-40%-0.008499 0.0017855 0.00202 22.66 0.0001 -
40-60% 0.008975 0.0015795 0.00289 32.29 0.0001 +
80-100% 0.007900 0.0026317 0.00081 9.01 0.0028 +
Dichte Oberschicht 20-40%0.017804 0.0046793 0.00129 14.48 0.0002 +
60-80% 0.012215 0.0014965 0.00595 66.62 0.0001 +
100% 0.009242 0.0019290 0.00205 22.950.0001 +
Dichte Mittelschicht 40-60%-0.004322 0.0022974 0.00032 3.54 0.0605
60-80% -0.055276 0.0132895 0.00155 17.30 0.0001 -
80-100% -0.049405 0.0089857 0.00270 30.23 0.0001 -
Artenzahl Unterschicht 10.017665 0.0029226 0.00326 36.53 0.0001 +
2 0.008086 0.0028058 0.00074 8.310.0041 +
3 0.005270 0.0026470 0.00035 3.960.0470 +
4 -0.006459 0.0026608 0.00053 5.890.0155 -
5 -0.006089 0.0027636 0.00043 4.850.0280 -
Artenzahl Oberschicht 10.021735 0.0103944 0.00039 4.37 0.0370 +
2 -0.018929 0.0030269 0.00349 39.110.0001 -
3 -0.020403 0.0019294 0.00999 111.83 0.0001 -
4 -0.009556 0.0018913 0.00228 25.530.0001 -
6 -0.010086 0.0021989 0.00188 21.040.0001 -
Artenzahl Mittelschicht 2-0.016766 0.0018963 0.00699 78.17 0.0001 -
3 -0.004040 0.0016793 0.00052 5.790.0165 -
4 -0.009317 0.0021911 0.00162 18.080.0001 -
5 -0.009870 0.0034180 0.00075 8.340.0040 -
6 -0.020955 0.0068891 0.00083 9.250.0025 -
%Nadelbäume Oberschicht 20-40%0.006845 0.0019803 0.00107 11.95 0.0006 +
40-60% 0.009963 0.0025391 0.00138 15.40 0.0001 +
80-100% 0.023368 0.0033188 0.00443 49.58 0.0001 +
100% -0.029489 0.0107646 0.00067 7.500.0064 -
%Nadelbäume Mittelschicht 40-60%0.009115 0.0047203 0.00033 3.73 0.0540
60-80% 0.008093 0.0027093 0.00080 8.92 0.0029 +
80-100% -0.022035 0.0062559 0.00111 12.41 0.0005 -
Entwicklungsstufestufig -0.013538 0.0029730 0.00185 20.74 0.0001 -
60-80 J. -0.004489 0.0016887 0.00063 7.07 0.0081 -
80-100 J. -0.012214 0.0022087 0.00273 30.58 0.0001 -
100-120 J. -0.015014 0.0026355 0.00290 32.46 0.0001 -
> 120 J. -0.009128 0.0037665 0.00052 5.87 0.0157 -
Exposition292.5-337.5 -0.003970 0.0021686 0.00030 3.35 0.0677
Mittelschicht Esche 20-40%0.031521 0.0067953 0.00192 21.52 0.0001 +
40-60% 0.054695 0.0143077 0.00131 14.61 0.0001 +
Mittelschicht Tanne 20-40%0.019598 0.0070023 0.00070 7.83 0.0053 +
Oberschicht Buche40-60% 0.008396 0.0014217 0.00312 34.88 0.0001 +
60-80% 0.013469 0.0024918 0.00261 29.22 0.0001 +
100% -0.037676 0.0148759 0.00057 6.410.0116 -
Oberschicht Esche20-40% -0.012429 0.0015257 0.00593 66.36 0.0001 -
40-60% 0.012834 0.0032141 0.00142 15.95 0.0001 +
Oberschicht Ahorn20-40% 0.010783 0.0042951 0.00056 6.30 0.0123 +
Oberschicht Fichte 20-40%-0.006332 0.0020546 0.00085 9.50 0.0022 -
40-60% -0.006916 0.0021559 0.00092 10.29 0.0014 -
60-80% -0.012688 0.0032583 0.00136 15.16 0.0001 -
Oberschicht Tanne80-100% -0.046160 0.0141668 0.00095 10.62 0.0012 -
Unterschicht Buche 20-40%-0.009223 0.0020389 0.00183 20.46 0.0001 -
40-60% -0.014594 0.0021171 0.00425 47.52 0.0001 -
60-80% -0.028334 0.0030336 0.00780 87.24 0.0001 -
80-100% -0.011361 0.0047959 0.00050 5.61 0.0182 -
Unterschicht Esche 20-40%-0.008353 0.0018202 0.00188 21.06 0.0001 -
40-60% -0.020687 0.0068905 0.00081 9.01 0.0028 -
Tabelle 8: Variablen der multiplen linearen Regression. Die Reihenfolge in der Tabelle entspricht nicht derjenigen, in welcher die Variablen in das Modell aufgenommen wurden. Positive Koeffizienten bedeuten einen positiven Effekt auf das Rehvorkommen, negative einen negativen Effekt.

Sechs der Variablen wurden schon in der logistischen Regression als signifikant ins Modell aufgenommen. Es sind dies Dichte der Ober- und Unterschicht, Distanz zur Futterkrippe und zum nächsten Gewässer, Nadelholzanteil in der Oberschicht und Höhe über Meer. Im Gegensatz dazu wurde die Anzahl Waldschichten nicht ins Modell aufgenommen. Andererseits wurden die folgenden Variablen ins multiple lineare Regressionsmodell aufgenommen, die sich bei der SLR nicht als signifikant erwiesen:

Neu hinzu kamen bei der multiplen Regression die berechneten Dichten einzelner Baumarten in den drei Waldschichten, die die Einteilung in Haupt- und Nebenbaumarten ersetzten.

Für den Vergleich der verwendeten Verfahren werden hier zuerst die selektierten Variablen und im anschliessenden Kapitel 4.3 auch die räumlichen Muster der Extrapolationen gegenübergestellt. In Tabelle 9 sind die Variablen aufgelistet, die in mindestens zwei Verfahren Signifikanzen aufwiesen.

Chi2 SLRMR
Dichte der Unterschicht xx x
Distanz zur Futterkrippe xx x
Nadelholzanteil der Oberschicht xx x
Höhe über Meer xx x
Dichte der Oberschicht xx
Distanz zum Gewässer .x x
Hangneigungx x
Artenzahl der Ober-, Mittel- und Unterschicht xx
Entwicklungsstadium xx
Hauptbaumart der Oberschicht xx .
Tabelle 9: Vergleich der signifikanten Variablen der drei Analyseverfahren: Chi2-Tests mit simultanen Konfidenzintervallen, schrittweise logistische Regression (SLR), multiple lineare Regression (MR)

Vier Variablen wurden bei allen Verfahren als signifikant bewertet. Es sind dies Dichte der Unterschicht, Distanz zur Futterkrippe, Nadelholzanteil der Oberschicht und Höhe über Meer. Überall als günstig bewertet wurde eine kleine Distanz zur Futterkrippe, 40-60% Dichte der Unterschicht und Vorkommen von Nadelholz. Die Höhe über Meer als indirekte Variable ging unterschiedlich in die einzelnen Modelle ein. Weitere acht Variablen ergaben Signifikanzen in jeweils zwei Verfahren. Die restlichen Variablen gingen nur in jeweils eine der Analysemethoden als wichtig ein.

4.3 Extrapolation auf den ganzen Sihlwald

Mit Hilfe des berechneten logistischen Regressionsmodells (SLR) wurde nun im Geographischen Informationssystem eine Extrapolation auf den gesamten Sihlwald gerechnet. Das Ergebnis ist in Abbildung 8 dargestellt.

Wie zu erwarten zeigt sich eine gute Deckung der Rehbeobachtungen mit den Gebieten hoher Auftretenswahrscheinlichkeit von Rehen (hellgrüner Bereich). Es tritt ein Mosaikmuster von Flächen mit hoher und solchen mit niedriger Wahrscheinlichkeit hervor, bei dem die aufgrund der Beobachtungen erfolgten Einteilung in die drei Zentren (1) Schönenboden, (2) Biri-, Schröter- und Häuliboden und (3) Cholbenholz immer noch abgegrenzt werden können, wenn auch (1) und (3) grossflächiger als vermutet erscheinen (für Ortsbezeichnungen siehe Abbildung 2). Die erwähnte Lücke in den Beobachtungen im westlichen Mittelteil des Sihlwalds manifestiert sich vor allem in den höheren Lagen als grösseres Gebiet mit kleiner Wahrscheinlichkeit von Rehbeobachtungen. Ansonsten sind keine grosse zusammenhängende Teile mit kleiner Wahrscheinlichkeit erkennbar. Die Gesamtfläche der Gebiete mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50% beträgt für den Sihlwald links der Sihl rund 56%. Wahrscheinlichkeiten über 5% ergeben sich bei 65% der Fläche. Die Gebiete der Stadtwaldungen rechts der Sihl und das Gebiet Winzelen nördlich der Albispassstrasse ergeben kleine Wahrscheinlichkeiten von Rehbeobachtungen. Die Zone mit einer Wahrscheinlichkeit über 50% entspricht in diesen Gebieten rund 26% der Fläche. Das entsprechende Flächenangebot für Auftretenswahrscheinlichkeiten über 5% beläuft sich auf 33% (Abbildung 8).

Die Extrapolation der Rehverteilung mittels multipler Regression (MR) auf den gesamten Sihlwald ist in Abbildung 9 dargestellt. Auffällig ist, dass rund 20% der Beobachtungspunkte in Gebieten liegen, in denen aufgrund der MR keine Rehe zu erwarten sind. Von den drei oben bezeichneten Zentren treten (1) Schönenboden und (2) Biri-, Schröter- und Häuliboden wieder deutlich hervor. Das Gebiet (3) Cholbenholz im Norden des Sihlwalds enthält in der Mitte eine grössere Fläche mit berechneten Rehdichten von 0 (Abbildung 9). Etwa 800m westlich davon weisen die steilen Hänge im Raum Schnabel ebenfalls kleine Werte (0) aus der MR auf. Als dritte grosse Fläche mit kleinen berechneten Dichtewerten tritt das Dreieck Spinnerweg-Waldmattstrasse/Weierbrunnen-strasse-Albishornstrasse hervor. Im Unterschied zur SLR weist jedoch ein ca. 100m breiter Streifen entlang der Krete zwischen Schnabelburg und Weierbrunnen Werte über 0 auf. Im südlichen Teil des Sihlwalds treten drei kleinere Flächen mit kleinen Werten hervor: Roregg, das Gebiet südlich des oberen Eschentobels und der Raum Egliboden. Letzterer enthält jedoch mindestens vier Rehbeobachtungen, so dass hier von der MR sicher eine Fehleinschätzung gemacht wird. Die Gesamtfläche der Gebiete mit berechneten Dichtewerten über 0 (kernel density estimation) beträgt für den Sihlwald links der Sihl rund 66%, in den Gebieten der Stadtwaldungen rechts der Sihl und nördlich der Albispassstrasse (Winzelen) rund 59%.

Um einen räumlichen Vergleich der beiden Modelle SLR und MR zu machen, wurden die Karten der Extrapolationen zu Positiv/Negativ-Karten (mit Rehvorkommen bzw. keine Rehe erwartet) wie folgt umgerechnet:

Rehvorkommen erwartet keine Rehe erwartet
schrittweise logistische Regression: Auftretenswahrscheinlichkeit 50%Auftretenswahrscheinlichkeit < 50%
multiple lineare Regression: Berechnete Dichte 0Berechnete Dichte > 0

Dann wurde eine Differenzkarte (Abbildung 10) berechnet, bei der nun Gebiete, die von beiden Modellen als positiv (mit erwartetem Rehvorkommen) bewertet wurden, grau eingefärbt sind, Gebiete, die von beiden Modellen als negativ (keine Rehe erwartet) bewertet wurden, schwarz markiert sind. Flächen, die unterschiedlich bewertet wurden, sind weiss dargestellt. Flächen kleiner als 1 Hektare wurden der umliegenden Fläche zugeteilt.

Die beiden Modelle stimmen in diesem recht groben Vergleich in mehreren Punkten überein. Die schon mehrmals erwähnten Gebiete (1) Schönenboden und (2) Biri-, Schröter- und Häuliboden und die Lücke im Dreieck Spinnerweg-Waldmattstrasse/Weierbrunnenstrasse-Albishornstrasse stimmen in der Bewertung überein. Die Gebiete Roregg und Egliboden werden ebenfalls weitgehend übereinstimmend als Flächen ohne erwartetem Rehvorkommen bewertet. Dagegen weist der nördliche Sihlwald recht grosse Unterschiede zwischen den Modellen auf. Beide Modelle stimmen jedoch im Gebiet Winzelen nördlich des Albispasses wieder überein.


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